"Baer übernehmen Sie" oder Du mein Abramia!

  • Der Anruf erreichte mich vor 48 Stunden. Gehetzt zwischen zwei Meetings auf unserer privaten Insel meldete sich Rothschild, seines Zeichens Hauptanteilseigener an der Eisengrind Group sehr aufgeregt: "Baer, es gibt Probleme auf Abramia."


    Probleme gibt es irgendwo ja immer.


    Eisengrind ist die führende Wirtschaftskanzlei rund um den Erdenball, Stress und Unregelmäßigkeiten gehören da fast schon zum guten Ton. Es ist wie bei dem Computerspiel Arma 3, das wir so gern bis spät in die Nacht spielen: Nur wenn es Fehlermeldungen produziert, funktioniert es auch.


    Irgendwo gibt es immer einen Präsidenten, der seine Währung soweit abgewertet hat, das es den Bürgern direkt an die Sparstrümpfen geht. Irgendwo gibt es immer einen Ort an dem es kein Gesetz mehr gibt, aber die stinkreichen Emporkömmlinge und Günstlinge der Herrscher in goldenen Sportwagen durch die Gegend cruisen. Tja und irgendwo gibt es auch immer eine Wirtschaft und Menschen, die unter extremem Sanktionierungen leiden.


    Ich ahnte zu diesem Zeitpunkt, als ich gedankenversunken den Fallstricken unserer täglichen Arbeit nachhing, noch nicht, dass in Abramia alles zusammen kommen würde - wirklich alles und noch einiges mehr.


    "Sie fliegen in 12 Stunden." erklärte er ziemlich schroff und offenbar ziemlich angepisst. Und er ergänzte: "Seit Monaten überweist die örtliche Niederlassung keinen einzigen Cent mehr - im Gegenteil. Man will Geld!"


    "Luna bereitet ihnen alles vor." ergänzte er weiter und meinte damit unsere charismatische Sekretärin die einst im Whirlpool ihren Slip verloren hatte und nun die Karriereleiter emporgeklommen war, direkt bis ins Vorzimmer von Rothschild. Rothschild ist bekannt für seine Affären. Sie begleiteten ihn wie andere böse Gerüchte. Er hat eine Schwäche für Begleitdamen und diese Schwäche trägt er stolz zur Schau.


    Luna hatte alles vorbereitet: Flugtickets für meinen Kollegen Stoll und mich, dazu ein Köfferchen mit Gadgets. Eines hatte es uns dabei besonders angetan: eine Smartwatch, die dem Träger sagt, wann er essen und wann er trinken soll. “Was heute technisch alles möglich ist.”, dachte ich mir noch, als mir gewahr wurde, dass die Flugtickets keinesfalls Direktflüge waren.


    Mit Eisengrind Airlines ging es von Tanoa nach London und dort stiegen wir in ein Flugzeug nach Kirgisistan. Dort erwartete uns ein Flugzeug von dem ich nicht einmal erwartete hätte, dass es überhaupt noch fliegt.


    An der alten An - 2 nagten der Zahn der Zeit und der Rost gemeinsam in einem bizarren Wettstreit, der an russisches Roulette erinnerte. Es war der Moment, als sowohl meinem Kollegen als auch mir klar wurde, dass etwas gewaltig schief gegangen sein musste. Vor ein paar Jahren verließen wir Abramia noch mit einem Direktflug mit British Airways. Der Flug kostetet damals in der 1. Klasse nonstop nach New York ziemlich genaue 3.422 abramische Dollar. Ich erinnerte mich genau daran, weil der Preis unschlagbar günstig war. Der Wert des abramischen Dollars war legendär. Diesmal stand auf dem Ticket dieses Charterfluges von Bischkek nach Abramia International Airport, der nur ein Teilstück der ursprünglichen Strecke war und darüber hinaus ein wirklich kurzes, satte 40.000 abramische Dollar.


    Ich konnte es kaum glauben.


    Ohne jeden Service an Board landeten wir nach einigen Stunden mitgenommen und durchgeschüttelt aber doch glücklich an unserem Ziel.


    Doch was wir vorfanden, war schlimmer als alles womit wir gerechnet hatten. Horden von bettelnden Kindern in Lumpen stürmten auf uns zu und wir gaben all unser Proviant und wirklich den letzten Bonbon.


    Grenzkontrollen oder Zöllner gab es nicht. Im Hauptgebäude des Flughafen waren die Fenster zersprungen, die Einrichtung demoliert, Bombenkrater zerfurchen das Vorfeld und Teile der Landebahn. Mit Glück und nur gegen Euro gelingt es uns ein Taxi zu bekommen. Der Lada mit Baujahr 1956 ist nicht mehr der jüngste und auch nicht schnell, aber er bringt uns sicher in die City. Wir fahren entlang an zerbombten Häusern, zerstörten Straßen und runtergekommenen Plätzen.


    Da wo einst unsere Kanzlei stand, befindet sich jetzt die gähnende Leere eines mit Schutt gefüllten Bombenkraters.


    Auf dem Markt treffen wir Einheimische. Sie berichten von Bürgerkrieg, von einem schwachen ausgebluteten Staat, einer abgewerteten Währung, fehlender Infrastruktur und dem alles zerfressenden Elend.


    “Das Elend macht die Menschen traurig. Und die Trauer macht die Menschen wütend.” erklärt ein älterer Herr. “Polizei gibt es hier nicht” erläutert ein anderer “und wenn, sind sie eh bestochen von den Clans und der Mafia, korrupt halt.” erklärt ein anderer.


    "Dafür gibt es Kinderbanden, sie springen von den LKWs und schreien Überfall. Du kommst hier leichter an eine Kalaschnikow als an Alkohol" ergänzte ein anderer Umstehender.


    200 abramische Dollar bezahlten wir für zwei Stakes und zwei Flaschen Wasser in einem der wenigen verbliebenen Bars. Notdürftig mit Brettern geflickt hat er sie - Pedro, der Eigentümer. Zerknirscht stellt er fest, dass sich nur noch selten Ausländer hierher verirren. Dabei bräuchten sie so dringend neues Geld aus dem Ausland.


    In einem langen Telefonat erkläre ich Rothschild die Situation.


    Nach langem Überlegen antwortete er dann: “Okay Baer, ich schicke ihnen Pooth, Paul Pooth.”

    Wirtschaftskanzlei Dr. Eisengrind und Partner

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